28.08.2018

Passwort: kampala


14.08.18

Kulturschock.

 

 

 

 

 

 

Ich bin noch nicht einmal seit 24 Stunden zurück und habe das Gefühl, ich muss diesen Text gerade schreiben. Ich bin auf den beiden Seminaren, die ich für meinen Auslandsaufenthalt hatte, immer wieder darauf vorbereitet worden, dass nicht nur das Einreisen nach Uganda, sondern auch das zurückkommen nach Deutschland, einen Kulturschock mit sich bringen wird. Von ehemaligen Freiwilligen habe ich Geschichten gehört, wie es ist, sich wieder Zuhause einzufinden. Ich dachte: Okay, ich bin vorbereitet. Ich habe Erfahrungen vom zurückkommen gehört. Ich kenne Uganda, ich kenne Deutschland und mir sind die Unterschiede bewusst.

 

 

Erste Feststellung: Bewusstsein und Realität sind dann doch noch mal zwei unterschiedliche Dinge.

 

Ich sitze am Fenster bei der Landung. Selbst von oben sehe ich, die Autos fahren wieder auf der „falschen“ Seite. Ich grinse, dass war mir ja schon vorher bewusst. Rechtsverkehr halt.

 

Ich wusel mit viel zu viel Gepäck durch den Frankfurter Flughafen. Versuche eine Bahn nach Berlin zu finden. Der DB Schalter hilft weiter. Erstmal muss ich eine U-Bahn bis zum Frankfurter Hauptbahnhof nehmen. Ich schleife also meinen Gitarrenkoffer+ Reiserucksack+ Tasche in die nächste U-Bahn und finde zum Glück einen Sitzplatz.
Die Bahn fährt los. Es ist still. Keiner redet, keiner lacht. Alle starren auf ihr Handy, starren auf die Wand oder starren auf ihr Gegenüber aber hallo sagen, dass tut keiner.

 


Zweite Feststellung: Wir sind mehr als reserviert.
Diese Stille, die wir so gewohnt sind, macht mich nervös. Sie ruft förmlich danach, hallo zum Sitznachbarn zu sagen oder ein Lied zu summen, um dieses drückende Schweigen zu brechen. Wir sind es gewohnt. Es wird nicht mehr als unangenehm empfunden, weil es normal ist. Natürlich kenne ich es auch, dieses Ubahn schweigen (auch wenn ich es nicht mehr gewohnt bin). Man möchte niemanden zu nahe treten, gar belästigen aber gerade fühlt es sich falsch an zu schweigen. Ich schaue mich um und sehe eine spanische Touristin, die versucht den Ubahnplan zu verstehen und in meinem Kopf entschuldige ich mich für unsere Reserviertheit. Dafür, dass niemand auch mal auf die Idee kommt, zu fragen ob sie Hilfe braucht. Wo sie hin möchte. Oder ihr einfach nur mal ein freundliches Hallo entgegen bringt.

 

 

 

 

Dritte Feststellung: Wir sind reserviert, die Jugend versucht diese Reserviertheit durch einen übertriebenen Drang nach Aufmerksamkeit zu brechen.
In Uganda sind Schuluniformen Pflicht. Abrasierte Haare sind auf vielen Schulen für Jungen und Mädchen auch Pflicht. Wessen Schuluniform nicht ordentlich aussieht oder wer seine Schuhe nicht geputzt hat, kann schon mit dieser kleinen Geste provozieren und sich Ärger einhandeln. Kinder und Jugendliche haben im allgemeinen viel mehr Verantwortung und viel mehr Pflichten und ich habe das Gefühl, dass der Respekt vor älteren viel größer als bei uns in Deutschland ist.

 

Im Zug habe ich Glück einen Platz in einem 6er Abteilen zu finden. Die Leute sind freundlich. Zwei Spanier, drei Deutsche. Alle Grüßen sich nett, nach einem kurzen Austausch über das Wifi im Zug, kehrt Ruhe ein. Keine drückende Ubahn-Ruhe sondern eine angenehme Ruhe. Ich bin extrem K.O. und fühle mich nach schlafen. Einen Schluck Wasser brauche ich aber noch also schiebe ich mich durch die Wagen bis durch zum Speisewagen.

 

Ich höre sie schon einen Wagen vorher grölen. Knapp 15 Schüler füllen den Speisewagen. Nicht nur physisch sondern auch psychisch. Die Luft brutzelt vor Testosteron. 3 Mädchen, der Rest Jungen, nippen an ihren Bieren. Alle sind schätzungsweise um die 16 Jahre alt. Jogginghosen, Caps, Hotpants… der Schuldresscode der Deutschen.

 

Immer wieder muss ich an meine ugandischen Freunde denken. Wie sie wohl auf bestimmte Dinge reagieren würden. Gerade wären sie wahrscheinlich ziemlich sprachlos.

 

 

 

Um das jetzt nicht alles in ein negatives Licht zu rücken: Ich denke auch viel darüber nach wie sie auf die tollen Dinge reagieren würden. Sachen, die uns teils gar nicht mehr als großartig auffallen. In Kampala wurde vor ein paar Wochen die erste Autobahn eröffnet. Als mich Abigail und Adore zum Flughafen gebracht haben, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. John (der Fahrer) und ich konnten nicht mehr aufhören zu lachen.
Adore meinte, er hätte noch nie so eine glatte, saubere Straße in Uganda gesehen und konnte nicht glauben, dass man nicht einfach so am Straßenrand laufen kann. Als beide dann das 100kmh Schild entdeckten, waren sie außer sich. Es gäbe keine Straße hier, auf der man 100kmh fahren könne (schon alleine wegen den Schlaglöchern). John meinte dann: „tourie program for Ugadans“.
Wie sie wohl auf all unsere Straßen reagieren würden? Auf den ordentlich geregelten Verkehr? Auf die Ampeln an jeder Ecke und die Autos, die wirklich beim Zebrastreifen anhalten?

 


Ich komme nicht mehr aus dem Video machen heraus. Alles möchte ich ihnen senden. Fühle mich natürlich Zuhause, als der Zug in Berlin eintrudelt und doch habe ich einen neuen Blick gewonnen. Ich habe das Gefühl ein bisschen mehr zu verstehen, was wir haben und was wir nicht haben. Versuche Sachen, wie das Graffiti an den Häusern und die Häuser an sich für meine Freunde zu dokumentieren. Und weiß natürlich, dass sie das alles schon kennen. Dass es das vielleicht nicht in Uganda gibt aber jeder es 10000 mal schon in Filmen und in Youtube Videos gesehen hat. Und das es als Video nicht halb so intensiv rüber kommt, wie es live aus dem Zugfenster zu sehen.

 

 

 

Ich bemerke, wie viele alte Leute man auf der Straße antrifft (in Uganda liegt der Altersdurchschnitt bei knapp 15 Jahren, bei uns liegt er bei knapp 45 Jahren), wie sehr sich unsere innere Einstellung auf unseren Klamottenstiel auswirkt. Ich bemerke, wie grün Berlin ist, wie viele Eisläden es hier gibt. Ich bemerke, wie wohlhabend wir sind, alleine am Angebot an Restaurants, an Freizeitmöglichkeiten und an den vielen Touries.

 

Und dann sehe ich am Bahnhof den ersten Obdachlosen und frage mich wieder, ob meine Freunde das verstehen würden. Dass es dennoch Armut gibt. Und wie traurig und alleine unsere Armut aussieht.

 

In dem Viertel in dem ich in Kampala gelebt habe, hatten wir einen Obdachlosen. Jeder kannte diesen einen Obdachlosen. Ich habe öfters gesehen, wie ihm Straßenstände oder kleine Shops ein wenig Essen oder zu trinken gegeben haben.
Ansonsten kannte ich einige Leute (gerade junge Leute), die kein Geld hatten um sich eine Wohnung zu leisten oder um essen zu gehen. Keiner davon war Obdachlos. Keiner davon wirkte wirklich arm oder traurig oder heruntergekommen. Man hilft sich und es wird einem geholfen.
Wer keine Wohnung hat, der kommt bei Freunden oder Familie unter. Wer kein Geld hat, dem wird etwas ausgetan, von denen die gerade etwas Geld haben.
Armut bei uns spaltet die Gesellschaft. Armut in Uganda bringt sie enger zusammen.

 

 

 

Letzte Feststellung: Klamotten im Überfluss.
Ich habe einen Koffer mit bestimmt 10 Kilogramm an Klamotten aus Uganda wieder mitgenommen. Klar habe ich einiges auch da gelassen aber ich hatte irgendwie im Kopf, dass mein Kleiderschrank ziemlich leer war als ich geflogen bin. Ich komme also gestern Abend in mein Zimmer und finde einen Kleiderschrank voller Klamotten. Gerade an T-shirts habe ich mindestens 10 hier gelassen. Wofür brauche ich 20 T-shirts (mit denen, die ich wieder mitgebracht habe)?
Das nächste, was ich gleich nach dem schreiben machen werde, ist meinen Überfluss an Klamotten auszusortieren.

 

 


Und jetzt zum Schluss:

 

Ich hatte mit Adore auf der neuen Autobahn die Diskussion, ob man die kleinen Details des wohlhabenden Lebens noch wertschätzt, wenn man sie von klein auf hat. Wir konnten uns beide darauf einigen, dass wir sehr wohl wertschätzen eine liebevolle Familie zu haben, gute Freunde zu haben, gesund zu sein und ein Dach über dem Kopf zu haben.

 

Er war aber der Meinung, selbst wenn er in einem Land mit Straßen wie die dieser Autobahn geboren wäre, dass er sich jeden Tag über die saubere Straße freuen würde. Ich konnte ihn nicht davon überzeugen, dass wir ja kaum Vergleiche haben, die uns zeigen, dass es auch anders sein kann. Er war der Meinung, dass wir ja Filme haben, die in Afrika gedreht wurden. Ich dazu: Nein nicht wirklich. Er glaubt mir nicht.

 

Wie viele Filme haben wir in Deutschland, die nicht von armen afrikanischen Kindern handeln? Die vielleicht einfach mal eine Alltagssituation in Uganda festhalten, einem einen Einblick in ein Sammeltaxi geben oder in eine Ost Afrikanische Highschool?

 

Wir können unseren Wohlstand vergleichen und genießen, aber die kleinen Details lassen sich viel schwerer greifen.

 

 

 

Also wenn ihr das nächste Mal ins Auto steigt, dann könnte ihr euch in Adores Namen mal kurz über die guten Deutschen Straßen freuen. Wenn ihr in euren Klamottenschrank schaut, überlegt doch mal kurz, was ihr eigentlich schon seit Jahren nicht mehr getragen habt aber dennoch nicht aussortiert habt. Und wenn ihr Leute im Bus oder in der Ubahn trefft, die nett aussehen oder interessant wirken: Sagt doch mal hallo oder fragt sie, wie es ihnen geht. Ich bin mir sicher, dass man mit ein wenig mehr Offenheit und Lebendigkeit dieses drückende Ubahn-Schweigen brechen könnte und gleichzeitig ziemlich viele positive Rückmeldung bekommen würde.

 

 

 

 

 

 

 

Ich werde wahrscheinlich noch mal einen Artikel in der nächsten Woche darüber anhängen, warum Deutschland in ziemlich vielen Punkten ziemlich cool ist.

 

Ansonsten freue ich mich wieder hier zu sein und euch alle so schnell wie möglich wieder zu sehen :)


 


Meine Klasse. Baby class. Mal etwas wild und hektisch aber super lustige und nette Kinder und mit dem Team hätte ich es nicht besser treffen können.  Mit den beiden Lehrern Lorna (links) und Abigail (Mitte) bin ich im letzten halben Jahr (davor habe ich in einem anderen Team gearbeitet) sehr eng zusammen gewachsen. Wenn es mal trouble auf der Arbeit oder Zuhause gab, konnte ich immer auf sie zählen. Und gerade mit Abigail habe ich ziemlich viel unternommen. Ein hoch auf die beiden!
Die Kids sind Jerome, Joel, Kyle, Tadias, Solomon, Daniel, Patience, Michael, Nicole, Joy, Jayden, Alicia, Alpha und Heri Peter. Fehlen tut nur eins meiner Lieblingskinder: Brendan. 


30.06.2018

Kurzer Einblick in den Tag heute... 

Ich wünschte ich könnte euch mitnehmen, in die Kirche, in der ich gerade sitze. Wer mich kennt weiß, dass man mich so gut wie nie in der Kirche antrifft. Heute habe ich aber mal beschlossen mit Adore, einem Freund,  zum Gottesdienst zu gehen. Er ist ein Seventh-day Adventist und geht normalerweise in eine Kirche in der Stadt, in der Englisch gesprochen wird. Wir sind jedoch sehr spät dran (der Gottesdienst beginnt um 8 und endet um 13 Uhr und es ist bereits 11:30) und beschließen in eine nahe gelegene Kirche zu gehen. Und so fahren wir mit dem Boda hin und ich höre schon von draußen, dass die Predigt auf Luganda ist.
Na toll.
Nach kurzem überlegen entscheiden wir dazubleiben (woanders hinzufahren wäre zu umständlich und würde uns noch mal ne halbe Stunde kosten). Wir werden in die Kirche geführt und in die erste Reihe gesetzt.

Da ich nichts verstehe, habe ich viel Zeit meine Umgebung ein wenig genauer zu betrachten und übrigens auch diesen Text zu schreiben. Keinen stört es, dass ich am Handy sitze. Adore macht sogar aus Langeweile mitten in der ersten Reihe Selfies. 
Die Kirche ist noch im Bau und sieht mehr aus wie ein unfertiges Wohnzimmer eines großen Familienhauses. Auf der rechten Seite befinden sich die Fenster, die noch nicht eingesetzt worden sind, das Dach ist halb fertig und der Rest des Hauses wird von einem Wellblech überdeckt und links ragt eine Treppe ohne Geländer ins zweite Stockwerk.
Adore übersetzt mir den groben Inhalt der Predigt. Es geht die ganze Zeit darum, wie man seine Kinder richtig erzieht. Ein Thema was anscheinend nur einen Teil der Gemeinde interessiert. Beim umdrehen sehe ich, dass einige Leute weg genickt sind und sogar auf der Bühne, auf den Ehrenplätzen (von denen es nur 6 gibt), schläft ein Mann gemühtlich in seinem Sessel. 
Ich komme aus dem Grinsen nicht mehr raus und als dann plötzlich ein Huhn ganz entspannt neben der Bühne herum watschelt und es keinen stört, kann ich mir mein Lachen nicht mehr verkneifen. Zum Glück scheint die Predigerin gerade auch etwas amüsantes gesagt zu haben und die Leute, die der Rede noch folgen, steigen mit mir ins Lachen ein. 


3.06.2018

Zu den Videos möchte ich gerne noch dazu geben, dass man natürlich nur einen mini Ausschnitt von Jerome und seinem Verhalten sieht. Wer Jerome kennenlernt, unterschätzt ihn erstmal wahrscheinlich gewaltig. Der Junge hat ordentlich was im Köpfchen.... nur zeigt er es nicht gerne, wenn man ihn danach fragt. 
Um sein Spielzeug zu bekommen, stapelt er gerne mal Stühle aufeinander und klaut sich ein Lineal um ans oberste Fach zu kommen. Manchmal nimmt er sich eine Zeitschrift oder ein Buch und benennt alle Zahlen, die er darin finden kann. Auch seine Aufgaben im Unterricht (Buchstaben und Zahlen schreiben) löst er normalerweise in einem Tempo, wie kein anderes Kind. Danach aber sitzen zu bleiben, scheint die schwierigere Aufgabe zu sein. Nach zwei Minuten Konzentration wird er unruhig und lässt sich nicht mehr auf dem Stuhl halten. 

Das Klatschen und das Geräusch, was er danach macht, ist etwas was er oft wiederholt. Wir vermuten, dass er eine Szene aus einem der Filme die er gesehen hat, nachmacht.

Kennwort: kampala

Eines meiner absoluten Lieblingsbilder. Jerome beim Spielen in Gedanken versunken. 
Ich finde es beschreibt Autismus besser als ich es mit Worten beschreiben könnte.


Hier noch mal der Link zur Website vom CRO:

http://www.croug.org

21.05.18

CRO trip

Über 4 Tage bin ich mit knapp 20 weitern Betreuern (Sozialarbeiter, Lehrer, Voluntere, Köche und ein Arzt…) mit den Kids vom CRO in ein Camp gefahren. Das CRO ist ein rehabilitation center für Straßenkinder. Die Kinder haben dort die Möglichkeit in eine Klasse zu gehen, in der sie ihre Schulkenntnisse auffrischen/erlernen können. Nach einem Jahr werden sie dann in normale Schulen eingeschult. Neben dem Schulprogramm, bekommen die Kinder dort auch Essen und Betreuung.
Konrad, der dort sein freiwilliges Jahr macht, hat mich eingeladen mit auf den Trip zu kommen und ich war echt sehr gespannt, wie so ein „Ferienlager“ in Uganda wohl aussieht.

 Montag: Konrad und ich kommen auf dem Gelände des CRO´s an. Eifrig schütteln mir Kinder die Hände, sagen mir ihre Namen (die mir natürlich direkt wieder aus dem Gedächniss rutschen) und scherzen mit Konrad herum. 

Der Bus, der die Kinder zu dem Camp bringen soll, steht schon bereit und ich weiß nicht genau ob die aufgeregte Stimmung durch den anstehenden Trip hervorgerufen wird oder ob das eine Normalatmosphäre bei 150 Kindern ist. 

Geplante Abfahrt: 9:30…. naja in Ugandan-Time bedeutet es, dass der Bus so gegen 11 mit der ersten Fuhre (knapp 30 Kids) startet.

Die Fahrt dauert nur eine halbe Stunde. Problem jedoch ist der Regen und der dadurch ausgelöste Schlamm, in dem der Bus, + Insassen, kurz vor dem Ziel stecken bleibt. Alle und alles muss raus. Die meisten der Kinder haben keine Schuhe und so watscheln sie Barfuß durch den Matsch. Mehrere schiebe und drück Versuche scheitern und so wird der Bus noch mal bis aufs kleinste ausgeräumt (Töpfe, Kohle, Feuerholz, Matratzen…). Auch das ändert nichts. Der Bus steckt tief im Schlamm und erst nach mehr als einer Stunde schafft es ein PKW den Bus zu befreien. 

So tourt er wieder zurück und über den Mittag/Nachmittag füllt sich das Camp mit 100 Kindern. Oder sind es wirklich die geplanten 100? Beim Mittagessen fällt plötzlich auf, dass sich Kinder, die nicht eingeplant waren, einfach mit in den Bus geschmuggelt  haben. Eine Diskussion bricht aus, die damit endet, dass die eingeschlichenden wieder zurück fahren müssen. 

Die verbleibenden Kinder schieben sich ihren Posho mit Bohnen per Hand in den Mund. Das gerade Kinder hier viel mit den Händen essen ist fürs abspülen sehr praktisch. Nur Plastikteller und kein Besteck. 
Der Tag neigt sich dem Ende zu und ein bisschen Schlaf nach dem Stress, heißen gerade wir Betreuer sehr willkommen.

 

Jetzt noch mal mehr zu den Kindern: sie sind zwischen 6 und 16 Jahre alt und überwiegend Jungs. Sie sind Straßenkinder, wobei viele von ihnen noch Familie haben und dort auch nachts unterkommen. Jedoch reicht das Geld dann nicht für Essen oder für den Schulbesuch und so sind die Kinder gezwungen tagsüber auf der Straße zu arbeiten. 

Ich habe vorher noch nie mit Straßenkindern gearbeitet und besonders der erste Tag ist noch ungewohnt. Die meisten Kinder haben kein Gepäck dabei und keine Schuhe. Nur das Tshirt und die Hose/Rock den sie gerade tragen. 

Ich bin etwas verunsichert und versuche das Gefühl von Mitleid zu unterdrücken. Schon nach einigen Stunden stelle ich fest: die Kinder sind (fast) wie alle anderen Kinder. Sie suchen nicht nach Mitleid, sondern einfach nur nach Zuneigung, Lob und testen gerne auch mal ein paar Grenzen aus. 



Dienstag: 
Jetzt zu dem: „fast“ in der Klammer. Denn nach dem Gottesdienst (der jedes mal vorm Essen abgehalten wird) und dem darauf folgendem Frühstück, geht es los mit dem lifeskill training. Und hier merkt man dann doch, dass sie in manchen Punkten kleine Erwachsene sind/ sein müssen. Alle Betreuer haben sich Aufgaben ausgedacht, die die Kinder lernen sollen. Kochen, first aid, Nähen… Ich helfe bei der Feuer Gruppe. Zwei der Betreuer erklären, wie man ein Lagerfeuer aufbaut und wie man es danach löscht. Dann bauen sie sorgfältig die Stöcker fürs Feuer auf und versuchen es anzuzünden. Mehrmals scheitern sie, weil der Wind die anfängliche Flamme einfach auspustet. "Nagt dann probiert ihr es einfach mal aus" gaben wir die Aufgabe weiter. Jedes Kind bekommt kleine Stöcker und trocken Gras und in Windeseile haben sie ihr Lagerfeuer errichtet und pusten Sauerstoff in die anfängliche Glut. Tja und irgendwie brennen die Feuer und ich muss zugeben, dass die meisten der Kinder wahrscheinlich mehr Ahnung vom Feuer machen haben als wir Betreuer. 

Auch beim Löschen sind sie recht abgehärtet. Erde drauf und dann wird es (manchmal sogar Barfuß) aufgestampft. 

Beim nächsten mal sollten wir die Kids vielleicht einfach selbst die life skills unterrichten lassen. 

Nach dem die Gruppen noch mal durchgetauscht werden und die Kinder ihren Posho verspeist haben, beginnen wir ein Spiel.
Die Kids kriegen Gruppen mit einen Zettel auf dem 60 Aufgaben stehen und müssen diese Aufgaben erledigen. Ich bin erstaunt, wie selbst die Jugendlichen der Ehrgeiz packt. Alle stürmen los: drehen sich 10 mal im Kreis, Blöcken wie eine Kuh, probieren sich an der Handstand Challenge… am Ende ist es eher ein großes Chaos aber die Kids haben ihren Spaß und wir Erwachsene genießen grinsend die Show. 

Am Abend gibt es (nicht gerade schwer zu erraten) Reis mit Bohnen. Das ist in Uganda eigentlich ziemlich normal, jeden Tag ungefähr das selbe Gericht zu essen, und das Mittags und Abends. Ich bin es gewohnt jeden mittag Reis oder Posh zu essen aber jetzt bleibt mir mitten in der Pampa keine andere Wahl als auch abends wieder das gleiche zu essen. Eigentlich bin ich in Uganda ein ziemlicher rice and beans fan geworden aber am Ende der Woche kommt mir das Essen zu den Ohren heraus und ich Träume von einer schönen Portion Nudeln. 

 

Was in keinem Zeltlager fehlen darf ist eine Nachtaktivität. Also geht es im Dunkeln auf den Fußballplatz, der sich direkt vor den Gebäuden in denen wir schlafen erstreckt. 4 Teams, die versuchen müssen ihre Farbzettel in eine Box, die mittig auf dem Feld steht, zu werfen. Um die Box laufen zwei der Teamer mit Taschenlampen und jeder der angeleuchtet wird, muss seinen Zettel abgeben und wieder aus der home base einen neuen Versuch starten.

 

Mittwoch: Den Tag über herrscht ein ähnliches Programm wie den Tag zuvor. Beten, essen, life skill training und dann bleibt vor dem Mittag essen noch ein wenig Zeit zum Fußball spielen. So wie ich die Kinder langsam besser kennenlerne, werden sie auch mir gegenüber offener und besonders anhänglicher. Meine anfängliche Scheu sie in den Arm zu nehmen (ja die Scheu muss ich hier ganz offen gestehen) ist auch verflogen und so kommen gerade die kleinen an und suchen nach ein bisschen Zuneigung. Es ist nicht immer so leicht, eine gute Mischung aus Zuneigung und Abstand zu bewahren. Natürlich kann man die Kinder mal drücken oder ein bisschen quatsch machen. Dennoch muss man klar sagen wann es reicht.

 

Es ist 21 Uhr und die Kids wirken immer noch nicht richtig müde. Im Flur auf dem Weg ins Bett fängt plötzlich eine spontane sing Session an und nach ein paar Minuten füllt sich der ganze Flur mit tanzenden und singenden Kindern und Betreuern. Wobei die Betreuer das Singen am Ende noch mal in die christliche Richtung lenken und zum Abschluss werden die Kids zum Beten aufgefordert. 

Dann ist aber Ruhe. Ich falle direkt ins Bett und schlafe.

 

 

Donnerstag: So langsam ist alles eingespielt mit dem Kochen, Putzen, Essen… und dennoch ist es Zeit zurück zu fahren. Es regnet mal wieder. Die Kinder stehen nach dem Frühstück auf der Verander und warten auf den Bus. Auf die Frage wie es ihnen gefallen hat antworten alle sehr überzeugt mit sehr gut. Und ob sie lieber länger bleiben würden? 

Manche nicken, klar, andere freuen sich jetzt aber auch wieder zurück zu fahren. 


Gegen 3 erreichen wir das CRO. Keine winkenden Eltern, die ihre Kinder abholen und doch irgendwie eine ziemlich normale wiederkommens-Atmosphäre. Manche der Kinder grinsen und freuen sich wieder zurück zu sein und andere wären lieber noch länger geblieben.

16.05.18

“When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‘happy’. They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.”
- John Lennon

17.04.18

Jaden spricht 

 

So, ich habe mir jetzt vorgenommen, mich mal wieder ein bisschen öfter zu melden. 

Heute wollte ich von Jaden berichten, einem autistischen Jungen aus meiner Klasse.

Bisher hat Jaden kaum am Unterricht teilgenommen. Er liebt es durch Haare zu streichen und so konnte man ihn nur schwer davon abhalten, von einem Kind zum anderen zu laufen und dabei immer wieder durch ihre Haare zu fahren. So wie viele Kinder mit Autismus, wiederholt Jaden oft bestimmte Geräusche, er interagiert wenig mit den anderen Kindern und wirkt dadurch sehr verträumt und abwesend. Auch gesprochen hat er nicht… bis jetzt. 

Schon letzte Woche ist aufgefallen, dass er sich viel mehr mit den anderen Kids beschäftigt. Wenn eines der Kinder quatsch machte, konnte man ihn plötzlich laut auflachen hören oder er imitierte das Meckern, wenn eines der Kinder Ärger bekam. 

 

Heute fing er plötzlich an zu singen. Mit richtigen Worten.

Bisher waren seine einzigen zwei Wörter „Juice“ und „susu“. Beim Essen heute sagte er „food“ und als die anderen Kinder Mittags schliefen, stimmte er immer wieder neue Songs an, die wir in der Schule singen. Er wiederholte was wir Lehrer sagten und sagte sogar Zahlen auf, die wir mit den Kids gelernt hatten. 

Jaden ist seit 3 Monaten bei uns in der Klasse und plötzlich spricht er. Die ganze Zeit über hatte ich das Gefühl, er würde sich zwar immer mehr in der Klasse einfinden aber nichts aus dem Unterricht mitnehmen. Um so cooler war es, dass er sich an Zahlen und Lieder aus den letzten Monaten erinnerte. 

 

Gerade bei den autistischen Kinder aus meiner Klasse fällt es schwer einzuschätzen, was bei ihnen ankommt und was man noch mal wiederholen muss, damit es ankommt. Jaden hat anscheinend vieles der letzten Wochen aufgenommen, ohne es in dem Moment zu zeigen. 

 

 

 

Jadens Autismus lässt ihn übrigens nicht zu wenig Informationen aufnehmen, sondern eher anders herum, zu viele. Bei vielen Menschen mit Autismus kann das Gehirn die Einflüsse der Umgebung schlechter filtern und so kommt es zu einer ständigen Reizüberflutung. Es ist also schwerer für sie zu filtern worauf sich ihr Kopf gerade konzentrieren soll.

16.03.18

Über die Hälfte des Jahres ist um. Zeit für eine Rückblende in die ersten Tage in Kampala. Wo alles noch neu und vieles noch nicht erlebt war. 
Kennwort fürs Video ist: kampala

6.02.18

Hund, Haus, Heimat 

 

So, jetzt kommt mal wieder etwas von mir. Ich hoffe, dass ich es schaffe mal wieder öfter etwas hochzuladen. Habe festgestellt, dass viele Freiwillige genau um diesen Zeitraum herum aufhören Blog-Einträge zu posten.... ich werde versuchen nicht dazu zu gehören. Es ist weniger die Faulheit, die mich vom schreiben abhält und mehr die Frage, worüber ich schreibe. Es passiert sehr viel und ich weiß manchmal nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Also wenn ihr etwas über ein bestimmtes Thema hören wollt, dann schreibt mir gerne :)

 

 

Ich habe das Gefühl mich von Tag zu Tag besser hier einzuleben. Klar gibt es bessere und schlechtere Tage aber ich habe in Kampala wirklich das Gefühl von Zuhause entwickelt. Nach der Arbeit gibt es immer etwas zu tun. Montags Zumba und Abends eine Jam Session im national theater , Dienstags Sprachkurs (meine Mitfreiwillige und ich haben jetzt angefangen Luganda zu lernen), Mittwochs Salsa, Donnerstags Sprachkurs…. 

Auch unsere zweier WG ist ziemlich eingespielt. Wir haben das Glück in einem wirklich sehr modernen und großen Haus zu leben. So haben wir unser eigenes Zimmer und sogar beide ein eigenes Bad. Die meiste Zeit Zuhause hängen wir aber im Wohnzimmer oder auf der Terrasse ab.

Außerdem haben wir seit einer Woche ein neues halbes WG Mitglied. Nala, ein Hund aus dem Tierheim. Eigentlich soll sie ein gate dog werden, so richtig den Charakter zu einem Wachhund hat sie aber nicht. Wenn fremde Leute kommen, rennt sie weg oder manchmal auch schwanzwedelnd auf sie zu. Bellen oder gar aggressiv wirken tut sie eher nicht so. Dafür hat sie sich jetzt schon den Platz im Wohnzimmer erkämpft und genießt es viel mehr durchs Haus zu wuseln als draußen aufzupassen. Also ob Nala wirklich irgendwann ein Wachhund wird... ich glaube es eher nicht. 

 

In zwei Wochen haben wir das zwischen Seminar. Eine Woche lang werden wir dann mit anderen Freiwilligen unsere bisherigen Erfahrungen austauschen und überlegen, was wir uns noch für die verbleibende Zeit vornehmen. 

Bald ist die halbe Zeit rum. Ein Gedanke der mit vielen Gefühlen verbunden ist. Mal siegt die Vorfreude auf Deutschland: auf die Familie, die Freunde, das Essen… und mal siegt das Gefühl, genau hier gerade Zuhause zu sein. 

Die ersten drei Bilder sind von der Weihnachtsfeier im Dawn Centre. Es gab eine Lehrer-Schüler Modenschau für die Eltern, bei der manche Kinder richtig in Schale geworfen wurden. 

23.12.17

Hallo ihr Lieben,
morgen ist Weihnachten. Die Stadt ist voll. Überall Busse, Motorräder und Autos, die sich durch Kampala kämpfen, um in die home villages zu fahren. Da Kampala die größte Stadt in Uganda ist und viele Arbeitsplätze, so wie gute Bildungsmöglichkeiten bietet, gibt es einen unglaublichen Zuwachs aus den Dörfern.
Die Stadt, durch die man normalerweise nicht laufen kann, ohne ständig jemanden anzurempeln oder von Bodas überfahren zu werden, wird am 24. wie leer gefegt sein.
Auch ich gehöre zu den Leuten, die über Weihnachten aus der Stadt strömen. Nicht aber Richtung Zuhause, sondern Richtung Tansania, um dort mit anderen Freiwilligen Weihnachten zu feiern und ins neue Jahr zu starten.

Ich wünsche euch eine gute Weihnachtszeit und ein großes Dankeschön an alle Spender!

Für die, die noch nicht ganz pleite nach dem Weihnachtsgeschenke-Shoppen sind und Lust haben mein Jahr in Uganda zu unterstützen, ist hier der Link zu meinem Spendenkonto:

https://www.betterplace.org/de/projects/55467-unterstutze-meinen-freiwilligendienst-in-uganda

13.12.17

Jingle bells by Courtney

Ein unglaublich schlaues und herzliches Mädchen. Courtney geht in die erste Klasse im Dawn Centre und war sehr motiviert die Deutsche Strophe zu lernen. Gerade versucht sie sich an dem Titelsong von "Bibi und Tina"  ^^ 


1. Advent im T-shirt aber dafür ohne Kerze


Kinder aus meiner Klasse beim Tanzen
Kinder aus meiner Klasse beim Tanzen

24.11.17

 

Arbeit im Dawn Centre

 

Emily und ich arbeiten jetzt seit fast drei Monaten im Dawn Children's Centre. Längst kann ich die Namen und Gesichter der Kinder zuordnen und weiß, wer von ihnen wie drauf ist.

Das Dawn Centre ist ein integrativer Kindergarten. Kindergarten bedeutet in Uganda aber eher Schule. Darum wurden Emily und ich auch nicht einer Gruppe sondern einer Klasse zugeteilt. Kinder, die in Deutschland den ganzen Tag im Kindergarten spielen würden, sitzen hier an Tischen und machen Unterricht. Die Erzieher werden mit „teacher“ angesprochen und so bin ich für die Kinder auch nicht Lucia sondern teacher Lucia.

 

 

Es gibt einige Punkte, die ich an diesem Kindergarten/Schulprinzip zu bemängeln habe und doch neutralisiert sich meine Einstellung dazu immer mehr. Jedes Land hat eigene Grundprinzipien der Erziehung. Hier in Uganda spielt Bildung eine viel größere Rolle als in Deutschland, gerade weil es nicht selbstverständlich ist. So ergibt es sich einfach, dass schon die kleinsten früh gefordert und gefördert werden und es für viele Eltern auch wichtig ist, dass ihr Kind schnell Lesen und Schreiben lernt. Zu Beginn fand ich es sehr schade, dass den Kindern dadurch nur wenig Zeit zum spielen und rumtoben bleibt. Jetzt fällt mir aber immer mehr auf, dass die Kinder dadurch einfach nur an etwas anderes gewöhnt sind und nicht unbedingt unglücklicher als deutsche Kinder sind. Das ist auf jeden Fall eine sehr bewundernswerte Eigenschaft von Kindern (natürlich mit Ausnahmen): Sie sind sehr flexibel, passen sich ihrem Umfeld an und wenn ihr Interesse geweckt wird, dann sind sie oft sehr wissbegierig. 

Durchmischte Gruppe: Von Baby class bis zu P1.

Bevor ich aber anfange einen Text über Erziehung zu schreiben, möchte ich etwas über das Dawn Centre erzählen. 

Dawn besteht aus 7 Klassen (ab Weihnachten werden es 8 sein) und insgesamt ca. 80 Kindern. Es gibt drei Klassen in die nur Kinder mit Behinderung gehen. Diese Klassen sind für die Kinder, die aus Physischen oder Mentalen Gründen noch nicht am Unterricht teilnehmen können. Das Ziel ist es jedoch die Kinder so zu fördern, dass sie nach einiger Zeit in die integrativen Klassen wechseln können. 

Die integrativen Klassen starten mit der Baby class (ca. 2-4 Jahre alt), von dort aus geht es zur middle class (ca. 4-5 Jahre) und dann zur top class (ca. 5-6 Jahre). Zwischen 6 und 7 Jahren geht dann die wirkliche Schule mit der P1 Klasse los.

 

Was die Kinder in den verschiedenen Klassen genau machen schreibe ich noch mal in einem anderen Beitrag. Jetzt erstmal mehr zur Babyclass und damit zu der Klasse, in der ich arbeite. 

 

Kevin und Brendan mit dem absoluten Lieblingsspielzeug. Ein buntes Lenkrad, perfekt zum Autofahren.
Kevin und Brendan mit dem absoluten Lieblingsspielzeug. Ein buntes Lenkrad, perfekt zum Autofahren.

In meiner Klasse sind die Kinder zwischen 2 und 4 Jahre alt (ein paar der Kinder auch älter). Sie sollen lernen Buchstaben zu schreiben und die Zahlen zwischen 1 und 10 zu beherrschen. Unterricht mit 16 Kindern zu machen, von denen ca. 90% eine Behinderung haben und unterschiedlich viel unterstützung brauchen, ist aber echt nicht so einfach. 

Es gibt 5 Kinder, die schreiben und zählen können. Knapp 10 Kinder, die das Grundkonzept von Zahlen und Buchstaben verstehen. Der Rest starrt mich aus großen Augen an, wenn ich anfange zu zählen. Darum heißt es immer wieder aufs Neue geduldig sein und Verständnis haben. 

Am Anfang war ich noch sehr aufs Deutschen Kindergarten System eingestellt. Ich dachte mir: „Na und, dann kann halt ein 3 Jähriger noch nicht schreiben“. Um so länger ich aber hier bin, desto mehr passt sich auch mein Anspruch an die Kinder an den Ugandischen an. Das passiert ganz automatisch und so wiederhole ich, wenn die Lehrerin gerade nicht da ist, mit den Kindern immer wieder Farben, Zahlen und Buchstaben. 

Übung macht den Meister. 

Wenn die Kinder es nach dem 30. Mal immer noch nicht verstehen und ich langsam frustriert werde, dann bringt mich spätestens das Windeln wechseln wieder auf den Boden der Tatsachen. Die Kinder sind noch klein und die meisten von ihnen brauchen einfach ihre Zeit. 

 

 

Der integrative Kindergarten lehrt ihnen zum Glück noch viel mehr als Zahlen und Buchstaben. Sie kommen in den Kontakt mit anderen Kindern, die alle sehr unterschiedlich sind, und lernen sich gegenseitig zu akzeptieren. Sie teilen untereinander und lösen Konflikte. Manche lernen auch erst im Kindergarten auf Toilette zu gehen. Dawn bietet den Kindern also viel mehr als nur Unterricht und genau das finde ich immer wieder schön zu erleben. 

18.11.17

Geburtstagsfeier im Dawn Centre
Geburtstagsfeier im Dawn Centre

Wer Lust hat mehr über meine Arbeit Dawn Centre zu erfahren, der kann sich auf den nächsten Eintrag freuen :) 

5.11.17

Kampala Zentrum
Kampala Zentrum

“The only reason for time

is so that everything

doesn't happen at once.” 

- Albert Einstein

 


21.10.17

Aubrey 

Schulter an Schulter nach Mbale

 

Schulter an Schulter kleben wir zusammen. Am Anfang versuchen wir noch dagegen anzukämpfen. Schultern zusammenziehen, versetzt sitzen, irgendwie das Berühren vermeiden. Irgendwann geben wir es auf. Wir (das sind Lisa, Aubrey, Emily und ich) sitzen in der letzten Reihe des Reisebusses. Grob gesehen sieht der Bus nicht wirklich anders aus als deutsche Reisebusse. Es gibt nur keine Anschnaller, Getränkehalter, ganz klar auch kein Wifi und wovon es am wenigsten gibt ist: Platz. 

Das stört aber eigentlich keinen. Die Stimmung ist gut. Der alte, viel zu laute Fernseher im Mittelgang, spielt seit Stunden Ugandische und Amerikanische Musikvideos ab und langsam geht draußen die Sonne unter. 

Passend zum schwindenden Licht, werden auch die Straßen schlechter und so übersieht der Fahrer ab und zu Schlaglöcher und ein kurzer Impuls lässt uns alle für ein paar Millisekunden vom Sitz abheben, bevor wir wieder halb stöhnend, halb lachend landen. Beim ersten Abheben stößt Lisa vor Überraschung einen Schrei aus und nun dreht sich nach jedem Schlagloch der halbe Bus um, um auch ja nicht unsere Reaktion zu verpassen.

Wir nehmen es alle mit Humor und grinsen. 

 

Die Fahrt verfliegt schneller als ich es erwartet hätte und doch sind wir nach knapp 7 Stunden froh in Mbale anzukommen und uns endlich vom Sitz und unserem Nachbarn zu lösen. 

„Die Jungs“ (das sind Adrian und Felix, zwei Freiwillige auch vom Roten Kreuz) holen uns netterweise ab und begleiten uns zu ihrer Wohnung, in der wir die nächsten drei Tage übernachten. Die Stadt ist viel kleiner und geordneter. Keine Bodafahrer, die auf der falschen Seite fahren und keine Menschenmassen, durch die man sich quetschen muss. Dafür aber auch viel weniger Freizeitmöglichkeiten und Program als in Kampala. 

 

Am ersten Tag erkunden wir die Stadt. Die Jungs zeigen uns ihre Arbeitsstelle und wir gehen auf den Markt, auf dem es von Obst und Gemüse bis zu Stoffen, Hühnern, Autoteilen… eigentlich alles gibt. Am Abend steht dann die silent Disco an (die Musik wird über Kopfhörer abgespielt), dort kommen wir aber nicht an. Irgendwie geraten wir in die Schlange eines anderen Clubs und da die Länge der Schlange für sich spricht, beschließen wir dort rein zu gehen. Eine gute Entscheidung. Wir verbringen die Nacht tanzend auf dem rooftop floor. Erst ein wenig schüchtern, dann aber immer wilder. Wir lassen uns von ein paar Ugandern Tanzmoves beibringen und am Ende der Nacht sind wir komplett nass und glücklich. 

Am Morgen pellen wir uns müde aus unseren Betten, lange schlafen ist aber nicht angesagt, da wir eine Wanderung auf den Wanale Hill geplant haben und noch vor dem Regen (der kommt immer so zwischen 2 und 3 Uhr) wieder unten sein wollen. 

Mühsam schleppen sich die Bodas durch die hügligen Dörfer, die am Rande von Mbale liegen. Wir werden beäugt und beäugen zurück. Das Leben ausserhalb von Kampala zu sehen, ist für uns Stadtkinder (Lisa, Aubrey, Emily und ich leben alle in Kampala) auf jeden Fall sehr beeindruckend. Nach einer knapp 2 stündigen Wanderung erreichen wir die Spitze und der Ausblick lässt uns nochmals staunen. 

 

Kurz vor dem Regen, schaffen wir es auf eine Straße zu stoßen, von der uns Bodas wieder runter ins Tal bringen. Da es nicht so viele Bodas auf der Spitze gibt, müssen wir uns für die ersten 15 Minuten 2 Bodas teilen. So sitzen wir jeweils mit 4 Leuten auf einem Boda und die Straßen sind alles andere als gepflastert. Zum Glück finden wir auf dem Weg ein drittes Boda und verlagern uns. 

 

Abends steht dann noch die Geburtstagsparty von Felix an, zu der auch viele Ugander eingeladen sind. Es ist eine nette Runde. Schnell zeigen sich die unterschiedlichen Gewohnheiten der Kulturen. Wir sind noch erschöpft von der Wanderung und wollen eher sitzen, reden und Bier trinken. Die Ugander ziehen es vor schnell den Kuchen anzuschneiden, damit es endlich ans tanzen geht. „Bathdays“ werden hier wörtlich genommen und nach dem der Kuchen angeschnitten ist, hält einer der Gäste eine kurze Rede und danach bekommt Felix einen Schluck Wasser über den Kopf gekippt. 

Babyboy nennen sie ihn, alle lachen, es scheint ein Kompliment zu sein. Die Leute sind freundlich und offen auch wenn es für viele unverständlich scheint, warum wir nicht die ganze Zeit mittanzen. 

 

Am nächsten Morgen holpert der Bus zurück nach Kampala und für uns beginnt wieder die Arbeitswoche. 

Pictures made by Adrian

19.10.17

Felix, Emily, ich und Lisa auf dem Wanale hill

Der dazugehörige Blogeintrag kommt morgen :)


4.10.17

Be fearless in the pursuit

of what sets your 

soul on fire. 

-unknown-


24.09.17

Die ersten 3 Wochen sind jetzt vorbei. Langsam sammeln sich zwischen neuen Erfahrungen auch schon Routinen an. Das morgendliche auf der Hauptstraße zur Arbeit laufen, bei dem wir uns zu Beginn noch ständig nach den rasenden Autos und Motorrädern umgeschaut haben, ist schon zur Gewohnheit geworden. Manchmal zuckt man noch kurz zusammen, wenn einem der Windzug eines vorbeifahrenden Bodas über die Schulter streift aber den Rest der Zeit gehen wir hintereinander die Straße entlang. Den Blick nach vorne gerichtet und ab und zu trifft man auf bekannte Gesichter der Shop Besitzer, die ihre Läden neben der Straße haben, und man Grüßt sich ganz selbstverständlich. 

Es ist schön nicht nur hier zu sein, sondern wirklich anzukommen. 

Beim Obst kaufen frage ich nicht mehr verunsichert nach dem Preis sondern stelle mich schon aufs Handeln ein. Dabei ist es im Allgemeinen so, dass der wirkliche Preis, die Hälfte von dem genannten Preis beträgt. 

 

Die ersten Arbeitswochen waren sehr anstrengend und nach dem wir uns nach Feierabend den Hügel zu unserem Haus hochgeschleppt haben, fallen wir meistens nur noch aufs Sofa oder ins Bett. Dafür sind die Wochenenden um so voller. In Kampala ist eigentlich immer etwas los. Feste, Märkte, Bars... an Programmpunkten mangelt es uns nicht. Wir treffen uns zu dem noch oft mit anderen Freiwilligen und da wir in einem Haus wohnen, das auch als Gasthaus genutzt wird, übernachten auch öfters Leute hier. 

Zur Zeit sind zum Beispiel Felix und Adrian (zwei Freiwillige) aus Mbale hier. Gestern waren wir auf dem "Bayimba festival of arts" und heute sind wir zu einer Wahlparty (Achtung aufgepasst ;) ) in der Residenz des Botschafters eingeladen. Ich hoffe das wir uns nach dem Wahlergebnis noch genauso freuen können wie gerade.

17.09.17

Hallo ihr Lieben,

mein eigentlicher Plan euch ein wenig von den ersten zwei Wochen in Kampala zu erzählen, hat sich beim schreiben doch verworfen.

Ich habe gemerkt, dass mich zur Zeit ein bestimmtes Thema sehr beschäftigt und auch wenn ich es persönlich als einen etwas kritischen Einstieg in meinen Blog sehe, möchte ich euch davon erzählen. 

Am Ende gibt es dann noch einen kurz Bericht und bald folgen auch ein paar Fotos :) 

Jetzt aber erstmal:

 

Hautfarbe, nein danke

Seit zwei Wochen laufen meine Mitfreiwillige und ich durch die Stadt und egal wo wir hinkommen, winken einem Kinder zu, Leute rufen Grüße auf Englisch und ständig hört man das Wort „muzungu“*. Dieses Wort geht mir einfach nicht aus dem Kopf, wie ein Ohrwurm wiederholt es sich immer wieder. Manchmal erwische ich mich sogar selbst beim „muzungu“ murmeln, wenn ich eine weiße Person sichte. 

Dabei habe ich das Gefühl, dass jeder hier dieses Wort mit einem ganz persönlichen Beigeschmack über die Lippen bringt. Mal freudig, mal erstaunt, abwertend, laut und leise und in verschiedensten Tonlagen.  Für mich hat es immer die selbe Bedeutung: Du bist anders. 

 

Bevor ich vor zwei Wochen nach Uganda gekommen bin, hatte ich den (möglicherweise naiven) Glauben, dass Hautfarben keine Rolle spielen. Ich hatte und habe immer den Anspruch an mich selbst „gut“ zu sein. „Gut sein“ heißt für mich, dass ich auf das Thema Hautfarben mit dem klaren Satz „wir sind doch alle gleich“ reagiere. Ob dieser Satz mehr ein Wunsch als Realität ist, wird für mich zur Zeit manchmal in Frage gestellt. 

Nicht, dass mich hier alle anders oder gar schlecht behandeln. Auf der Arbeit zum Beispiel ist alles ganz normal und keiner kommt auch nur annähernd auf die Idee mich mit „muzungu“ anzusprechen. Die Leute sind nett und offen und doch ist man wieder ein muzungu, sobald man auf die Straße tritt.

 

Weil ich weiß bin, sind die Preise höher, die Kinder aufgeregter und die rufe der Bodaboda-Fahrer (Taximotorrad) lauter. Wirklich weil ich weiß bin? Oder vielleicht einfach weil ich noch aussehe wie ein typischer Deutscher Tourist?

Die Bauchtasche sicher um die Hüfte geschnallt, beim Autofahren ist der erste Reflex nach dem Gurt zu greifen und ständige desorientierte Blicke, um sich irgendwie in dem organisierten Straßen Chaos zurecht zu finden. 

Zur Zeit reduziere ich die muzungu Rufe auf meine Hautfarbe, aber ob einen muzungu nicht viel mehr ausmacht, kann ich noch nicht genau einschätzen. Vielleicht laufe ich in einem Jahr durch die Straßen und alle erkennen, die gehört hier hin und kennt sich aus und keiner kommt auf die Idee muzungu zu rufen. Vielleicht bleibe ich aber auch immer ein muzungu. Dann aber hoffentlich einer, der sich dadurch nicht selbst in eine Schublade steckt.

 

Hier noch mal ein kurzer Bericht:

Ich bin gut in Kampala angekommen. Viele Sachen, wie der Weg zur Arbeit, das Einkaufen und Bodaboda fahren werden schon langsam zu einer Routine und mit jedem neuen Tag lebe ich mich mehr ein. Ich wohne mit Emily (die auch im DAWN Centre arbeitet) zusammen in einer Wohnung im Nord-Osten von Kampala. Wir haben uns schon recht gemütlich eingerichtet und Kochen (da wir beide nicht so die Köche sind) halb improvisiert und halb aus einem Kochbuch, dass Mom mir mitgegeben hat. 

 

 

*Aus der Bantusprache: Wörtlich übersetzt muzungu=Wanderer, benutzt wird es für Weiße


1.09.17


How lucky I am

to have something

that makes saying 

goodbye so hard. 

-Winnie the Pooh 


In 5 Stunden geht es los.


11.08.17

 

Vorbereitungsseminar in Bonn

Das Seminar liegt jetzt hinter mir. Ich sitze im Zug und bin einfach nur erschöpft. Eine sehr positive Erschöpfung, denn die letzten 10 Tage waren gefüllt mit spannenden Vorträgen, Begegnungen mit Menschen von denen ich sehr viel mitgenommen habe und auch mit Zeit zum Nachdenken und sich auf das kommende Jahr einzustellen.

 

Wir waren eine Gruppe von knapp 25 jungen Erwachsenen, die alle für ein Jahr ihr Zuhause verlassen werden um in verschiedenen Ländern Projekte zu unterstützen. Da waren die „Südamerikaner“, die beim Abendbrot Spanisch übten, die „Afrikaner“ (jup da gehöre ich zu), die beim Vortrag vom Tropenarzt leider feststellen mussten, dass (fast) alle erwähnten Krankheiten besonders in Afrikanischen Gebieten verbreitet sind, die Inder, USA, Irland, Schottland, Armenien.... Sehr viele unterschiedliche Ziele und doch irgendwie ähnliche Themen, Sorgen und Vorfreuden. Es war bereichernd sich mit den anderen auszutauschen, die Freuden und Ängste zu teilen und durch die Reflektion der andern mehr über sich selbst zu lernen. Die Gruppe war der Hammer. Die Stimmung war offen, interessiert und voller positiver Energie.

 

Morgens ging es meist um 9:30 Uhr los, um 13 Uhr Mittagessen, dann noch mal bis 18 Uhr Programm und danach saßen wir oft noch bis in die Nacht zusammen. Wir beschäftigten uns mit Themen wie der kulturellen Kommunikation, den Krankheiten und Schutz im Ausland, mit Heimweh und dem Abschied, mit der Armut, die vielen von uns begegnen wird, den Projekten vor Ort und natürlich mit uns selbst. Das war überhaupt ein oft wiederholter Satz: „Das wichtigste was ihr mitnehmt, seid ihr selbst!“.

 

Ich hatte vorher mit Langeweile gerechnet (1 1/2 Wochen sind doch ziemlich viel Zeit) und wurde vom Gegenteil überrascht. Die Tage waren voller Programm, sehr intensiv und zum ersten Mal habe ich realisiert: Bald geht es wirklich los!